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Die Vereinigten Arabischen Emirate
wollen in die erste Liga


Ob Studium, Operationen, Einkauf oder Museumsbesuch: Die Elite des Orients soll dafür nicht mehr nach Europa oder in die USA reisen müssen.Die Vereinigten Arabischen Emirate investieren Milliarden in neue Angebote. Westliche Länder müssen sich auf unbequeme Konkurrenz einstellen.

Ajub Kasim hat sein Studium komplett in den Vereinigten Staaten absolviert. An den Universitäten von Alabama und New York ließ er sich zum Ingenieur ausbilden, in Miami promovierte er. Zehntausende Dollar sind auf diese Weise aus den Vereinigten Arabischen Emiraten in die amerikanischen Bildungseinrichtungen geflossen. Wenn es nach Ajub Kasim geht, gehört ein Werdegang wie seiner schon bald der Vergangenheit an. Er ist Direktor des "Dubai Knowledge Village". Auf einem Campus mit zwei- und dreistöckigen Gebäuden sind 20 Zweigstellen internationaler Hochschulen angesiedelt, die das Studieren im Westen überflüssig machen sollen. Denn an dem Millionengeschäft mit der Bildung will das Wüstenwunder nun selbst verdienen."

Die Idee ist nach dem 11. September entstanden", sagt Kazim, der in den traditionellen weißen Gewändern der Emirate gekleidet ist. Für Sprösslinge wohlhabender Familien in der arabischen Welt, aber auch in Iran, Pakistan, Indien oder Afghanistan wurde es nach den Terroranschlägen auf New York und Washington fast unmöglich, ein Studentenvisum für die Vereinigten Staaten oder Europa zu bekommen. Hinzu kommt, dass viele Eltern es ohnehin vorziehen, ihre Kinder - und besonders die Töchter - in ihrer Nähe zu wissen.

Ein weiteres Motiv war, der Abwanderung gut ausgebildeter Akademiker entgegenzuwirken. Forschung und Entwicklung, vor allem in der Biotechnologie, sollen ein Schwerpunkt werden. Heute gibt es knapp 10 000 Studenten im Knowledge Village. 25 000 sollen es werden. "Wir wollen die Region verändern", sagt Kasim.

Dieser Vorsatz gilt beileibe nicht nur für den Bildungsbereich. Die Emirate mit Dubai an der Spitze drängen in allen Branchen in die erste Liga. "Think big" lautet seit Jahren das Rezept. Vom höchsten Hochhaus bis zur größten künstlichen Insel ist heute alles in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) zu finden, was an Superlativen denkbar ist. Selbst Dubais Fluggesellschaft Emirates hat sich innerhalb weniger Jahre einen besseren Ruf erworben als so manche westliche Gesellschaft. Spätestens 2012 will sie der größte Anbieter von Langstreckenflügen sein.

Europäer und Amerikaner haben noch nicht in vollem Umfang erkannt, wie sich durch die aggressive Wirtschaftspolitik der Emirate ihre Monopolstellung in manchen Bereichen auflöst. Langsam zwar, aber sicher wechseln Milliardengeschäfte den Standort.

"Wir haben einen ganz anderen Blick auf die Region als der Westen", sagt Shahran Abdullah Zadeh, der aus Iran stammende Vorstandsvorsitzende des Immobilienkonzerns Al Fajer Properties. "Wir sehen in einem Flugradius von vier Stunden eine Bevölkerung von zwei Milliarden Menschen. Natürlich sind viele davon arm. Aber in all diesen Ländern gibt es eine Elite von zwei Prozent, die nicht nur reich, sondern megareich ist." Und diese Elite fliegt nicht mehr so oft nach Europa wie früher. "Sie haben keine Lust, wochenlang auf ein Visum zu warten", sagt Zadeh.

Wozu auch? Die reichen Araber können mittlerweile ihr Geld auch am Golf ausgeben. Die Emirate bieten nahezu alles, was lange nur im Westen zu finden war: riesige Shopping-Tempel, moderne Luxushotels, Tennisturniere, Ski- und Rodelbahnen, exklusive Immobilien, hervorragende Dienstleistungen, dazu edle Restaurants und demnächst sogar eine Formel-1-Strecke.

Dazu kommt einiges, was in Europa und den USA nicht überall selbstverständlich ist: schönes Wetter fast das ganze Jahr über, gepflegte Sandstrände, ein hohes Maß an Sicherheit, Steuerfreiheit. Und eine von Toleranz geprägte Atmosphäre: Im Starbucks-Café kann an einem Tisch eine voll verschleierte Saudi-Araberin und am nächsten eine Philippinerin im Minirock sitzen. So überrascht es auch nicht, dass sich die Besucherzahlen allein in Dubai in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht haben.

Ein Ende des rasanten Aufstiegs ist nicht in Sicht, im Gegenteil. Dubai will mit der Healthcare City, die 350 Kliniken, Praxen und Krankenhäuser umfassen soll, in weitere lukrative Geschäfte vorstoßen. Noch ist das zwei Quadratkilometer große Areal zum größten Teil eine staubige Großbaustelle, auf der Tausende Arbeiter aus Südasien rund um die Uhr im Einsatz sind. Doch schon vom nächsten Jahr an können sich die Betuchten der Region dort statt in München, Paris oder San Francisco behandeln lassen. Die anvisierte Kapazität der Healthcare City, die auch Schönheitsfarmen, Wellnesszentren und Fünfsternehotels umfassen soll, liegt bei 35 000 Patienten.

Bis 2025 werden der Unternehmensberatung McKinsey zufolge die medizinischen Ausgaben der Staaten des Golf-Kooperationsrates von zwölf auf 60 Milliarden Dollar (41 Milliarden Euro) steigen. Denn die Gesundheitsrisiken nehmen am Golf deutlich zu. Schon jetzt sind in der Region fünfmal mehr Menschen an Diabetes erkrankt als in der übrigen Welt. Die Anzahl der Übergewichtigen ist mit 40 Prozent ebenfalls überdurchschnittlich hoch und wird der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge eine deutlich steigende Zahl von Herz- und Kreislauferkrankungen nach sich ziehen.

Die Healthcare City soll auch wohlhabende Kranke aus der übrigen arabischen Welt sowie Indien, Pakistan und Iran anlocken. Um Vertrauen in die medizinischen Angebote zu schaffen, arbeitet das Management mit renommierten Institutionen wie der amerikanischen Harvard Medical School zusammen. Wenn das Konzept aufgeht, müssen westliche Länder ein bisher höchst profitables Geschäft mit einem neuen Anbieter teilen.

Und Dubai ist erst der Anfang. Abu Dhabi, das größte und ölreichste der sieben Emirate, hat gerade erst begonnen, seine Infrastruktur für ein internationales Publikum auszubauen. Auf der Insel Saadijat soll für 27 Milliarden Dollar ein Angebot entstehen, das selbst Dubai bisher nicht im Programm hat: Kunst und Kultur auf Weltniveau. Wer die alten Meister und großen Künstler der Moderne sehen will, kommt ab 2012 auch in den Emiraten auf seine Kosten. Hier werden neben Theater- und Konzertgebäuden auch Zweigstellen des Guggenheim-Museums und des Louvre aus dem Wüstensand gestampft - gebaut von international führenden Architekten.

Allein dem Louvre in Paris zahlte Abu Dhabi 400 Millionen Euro. Dafür werden dem Ableger auf Saadijat 300 Exponate für je zwei Jahre aus der umfangreichen Sammlung geliehen, die 2000 Quadratmeter große Galerie wir mit Wechselausstellungen bestückt. 40 Millionen Euro will Abu Dhabi pro Jahr außerdem selbst für Ankäufe bereitstellen. Drei Millionen Besucher sollen so angelockt werden.

"Die Emirate sind ein Beispiel dafür, dass auch Araber eine Vision haben und sie brillant umsetzen können", sagt Basel Abu Airub, ein junger Ökonom aus Jordanien, der bei einer Investmentbank in Dubai angeheuert hat. Für ihn ist seine neue Wahlheimat die perfekte Mischung aus vertrautem Orient und westlicher Funktionstüchtigkeit. "Heute träumen wir nicht mehr von einem Job in Europa oder den USA", sagt er. "Wir träumen von einem Job in Dubai."

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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