
| Das Inselprojekt "The World" in Dubai ist längst nicht fertig, doch schon 150 der 300 Sandhügel sind vergeben. Die neuen Eilande verteuern sich täglich. Um keines der Megaprojekte in Dubai wird ein so großes Geheimnis gemacht wie um „The World“, die Nachbildung der Weltkarte als Inselgruppe vor der Küste. Sie ist nach den drei Palmen-Inseln das vierte künstliche Ferienparadies, das die regierungseigene Nakheel-Gruppe im Meer aufschütten lässt. Vor einiger Zeit gingen Gerüchte um, Michael Schumacher habe eine der Inseln erworben. Doch vor Ort heißt es, der Formel-1-Profi sei lediglich eingeladen worden, sich für einen der teuersten Sandhaufen der Welt zu bewerben. Längst nicht jeder, der viel Geld auf den Tisch legt, kann hier Inselbesitzer werden. Die Regierung von Dubai, genauer die Herrscherfamilie Al Maktoum, vergibt die Länder der „World“ nur dann, wenn sie vom Konzept des Kaufinteressenten überzeugt ist. „Wir sehen uns die Pläne genau an und vergeben eine Insel nur, wenn wir einen Mehrwert für das Gesamtprojekt sehen“, sagt Hamza Mustafa, Geschäftsführer bei Nakheel. Die 300 Inseln verteilen sich über ein Gebiet von neun mal sieben Kilometern und bedecken eine Fläche von 931Hektar. Die ohnehin allmählich knappe Küste Dubais wird allein durch dieses Projekt um 232 Kilometer verlängert. 320 Millionen Kubikmeter Sand sind nötig, um festen Grund für die künftigen Villen, Hotels und Ferienresorts zu schaffen. Der Transport für Bewohner und Besucher wird über vier Häfen abgewickelt, die zugleich Marktplätze mit Geschäften sind. Der Wettbewerb um die künstlichen Sandhügel ist auch vier Jahre nach Projektstart ungebrochen. Inzwischen sind 150 Inseln verkauft. Mit großer Enttäuschung dürften die noch verbliebenen Anwärter zur Kenntnis nehmen: Nakheel wird den Verkauf der übrigen Inseln Ende 2007 für eine Dauer von fünf Jahren unterbrechen. „Die zweite Verkaufswelle wird erst 2012 starten“, sagte Insel-Chef Mustafa vergangene Woche auf der Immobilienmesse Cityscape. Hintergrund: Man will die Bodenpreise weiter in die Höhe treiben. Seit 2003 ist der Quadratmeter Sand umgerechnet jeden Tag um zwei bis vier Euro teurer geworden. Jetzt kostet ein Quadratmeter 10 700 Euro. „The World ist der teuerste Immobilienstandort im gesamten Nahen und Mittleren Osten. Und auch in Afrika gibt es nichts, was teurer wäre“, sagt Geschäftsführer Mustafa mit einem breiten Lächeln. Neben gewollter Landverknappung, die für weitere Preissteigerungen sorgen wird, kämpft das erfolgreiche Wüstenemirat aber mit tatsächlichem Mangel: Es gibt so gut wie keine Küstengrundstücke mehr. Dabei legen Nachbarstaaten wie Oman und Katar, aber auch die übrigen der Vereinigten Arabischen Emirate, eigene Immobilienprojekte am Wasser auf. Im drittgrößten Emirat Sharjah etwa will die Al Hanoo Company vom Meer aus ein System von künstlichen Kanälen ins Landesinnere treiben. Investitionsvolumen: 3,4 Milliarden Euro. Dass sich mit diesem Trick erneut die Küstenlinie verlängern lässt, hat auch Dubai erkannt. Die Limitless LCC hat daher das größte Infrastrukturprojekt angeschoben, das je in der Region verwirklicht wurde: Für umgerechnet 7,6 Milliarden Euro soll Dubai durch einen künstlichen Kanal von der Wüste abgeschnitten werden. 75 Kilometer lang und 150 Meter breit soll der Strom werden. „Wo Wasser ist, ist Leben“, sagt Nakheels „World“-Mann Mustafa. Wo Wasser ist, wird am Golf aber vor allem Geld gemacht: Die Grundstücke zu beiden Seiten des „Arabischen Kanals“, wie der Strom heißen wird, sollen nach dem Vorbild der künstlichen Palmeninseln und der Insel „The World“ verkauft werden. Dort machen sich inzwischen die 25 Erwerber der 150 ersten Inseln daran, ihre Projekte umzusetzen. Da Nakheel die Namen der Besitzer geheim hält, dringt nur wenig an die Öffentlichkeit. Nach Aussage von World-Chef Mustafa kommt aber die Mehrzahl der Käufer aus Dubai. Die zweitstärkste Gruppe seien Europäer, angeführt von Iren, Engländern, Deutschen und Österreichern. Ein Italiener habe Südafrika gekauft, einem Deutschen gehöre die Insel Ägypten. Josef Kleindienst, Geschäftsführer von Kleindienst & Partner, ist Österreicher. Ihm ist es gelungen, sein eigenes Land zu kaufen. Der Österreich-Sandberg hat eine bebaubare Fläche von 20 000 Quadratmetern und damit Platz für ein Hotel mit 200 Zimmern, kleinere Nebengebäude sowie eine Marina. Kleindienst lebt und arbeitet seit 2004 in Dubai. Sein Konzept für die Österreich-Insel ist ungewöhnlich und löste bei Nakheel Begeisterungsstürme aus: Mitten im Persischen Golf, wo das Quecksilber im Sommer auf mehr als 40 Grad klettert, will der Developer ein Liebeshotel bauen, das er den vielen weltweiten Verehrern der österreichischen Kaiserin Sissi widmen will. „Sissi war schon zu ihren Lebzeiten ein Mythos. Eine der schönsten Frauen ihrer Zeit und zugleich eine der modernsten“, schwärmt der Bauherr. Damit passe sie gut zum Zeitgeist des heutigen Dubais. Er und sein Partner Faisal Al Almiri, Geschäftsführer der lokalen Al Almiri Group, wollen rund 160 Millionen Euro in die Entwicklung dieses Ferienresorts investieren. Ambitioniert ist auch das Energiekonzept. Kleindienst hat ein Forscherteam damit beauftragt, einen Weg zu finden, die gesamte Österreich-Insel energiesparend, vor allem ohne Öl, zu betreiben. Das
Zeitfenster für derartige Luxuskonzepte ist klein. Wird die Energie
eines Tages wirklich knapp, wird wohl kaum jemand auf die Idee kommen,
Millionen von Kubikmetern Sand aufzuschütten. Aber auch das kann
Nakheel nur freuen – so steigen die Grundstückspreise auch
in Zukunft. |
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